Vor zwei Jahren haben sich die Schweizer Pelletsunternehmen zur Interessengemeinschaft proPellets.ch zusammengeschlossen. Sie zählt 29 Mitgliederunternehmen. Pelletshome.com hat mit ihrem Leiter Mathias Grimm über den Schweizer Pelletsmarkt und die europaweite Zusammenarbeit der Branche gesprochen.
Herr Grimm, wie steht es um die Pelletsheiztechnik in der Schweiz? Welchen Anteil am Heizungsmarkt haben Pelletsanlagen?
In energetischer Hinsicht haben Holzpellets im vergangenen Jahr 2010 mit 6,34 Gigawattstunden Endenergieverbrauch knapp ein Prozent des schweizerischen Energiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser gedeckt.
Mathias Grimm
Überwiegen Kessel oder Öfen?
Es werden mehr Kessel als Öfen verkauft. Vor zwei Jahren schien es, als würde der Ofenmarkt in eine Phase stärkeren Wachstums eintreten als der Kesselmarkt. Diese Entwicklung lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen. Beide Anlagenkategorien wachsen im Verhältnis zu den bereits installierten Feuerungen ungefähr gleich stark. Die wichtigste Anlagekategorie sind nach wie vor Kessel bis 50 Kilowatt Leistung. Bei den Feuerungen mit Leistungen darüber werden jährlich weniger als 100 Stück neu installiert.
Welche Rolle spielen große Anlagen für Gewerbebetriebe oder Wärmenetze?
Vom Contracting abgesehen, entwickelt sich dieser Markt eher zurückhaltend. Ich gehe aber davon aus, dass er zunehmend wichtiger werden wird. Pellets finden im hohen Leistungsbereich zum Beispiel in bivalenten Anlagen, die unter Volllast mit Holzschnitzeln und unter Teillast mit Holzpellets befeuert werden, ein interessantes und sinnvolles Einsatzgebiet.
Wie beurteilen Sie die langfristigen Chancen des Pelletsmarktes in der Schweiz? Wo sehen Sie das größte Potenzial?
Von der bisherigen Entwicklung auf die Zukunft zu schließen, ist angesichts der bestehenden wirtschaftlichen Unsicherheiten äußerst schwierig. Es existiert derzeit eine ganz große Unbekannte: die Währung. Die Frage ist, wohin sich der starke Franken gegenüber dem Euro entwickelt und welche Folgen auf die Konjunktur und die Investitionsfreude der Haushalte das haben wird? Auf der anderen Seite wird das Öl langfristig knapp werden, was zu starken Preiseffekten und zu einem großen Substitutionsdruck auf fossile Energien führt. Das größte Potenzial für Holzpellets orte ich in der Sanierung alter Ölkessel, welche nach wie vor den Löwenanteil der Schweizer Gebäude beheizen. Durch den bis 2035 geplanten Ausstieg aus der Kernenergie könnte die Verstromung von Holzpellets durchaus ein Thema werden. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist das aber noch kein Thema.
Inwiefern fördern der Staat beziehungsweise die Kantone den Einsatz von Holzpellets als Brennstoff?
Der Staat hat die Förderung erneuerbarer Energien an die Kantone delegiert. Die Kantone sind in der Ausgestaltung von Fördermaßnahmen frei, so dass im Grunde 26 verschiedene Förderprogramme nebeneinander existieren. Unter ihnen setzen längst nicht alle auf die verstärkte Nutzung der Holzenergie. Die Kantone fördern in der Regel Investitionen in Holzfeuerungen, die mit dem Qualitätslabel von Holzenergie Schweiz ausgezeichnet sind und einer Feuerung eine saubere Verbrennung bescheinigen. Die meisten Förderprogramme setzen auf Investitionshilfen.
Wo sehen Sie die größten Probleme für die Holzpelletsbranche in der Schweiz?
Aktuell ist es der starke Schweizer Franken, durch den sich das Preisniveau des einheimischen Rohstoffs weit von den Rohstoffpreisen im Euroraum entfernt hat – mit Folgen auf den Preis für einheimische Holzpellets. Ein wichtiges Verkaufsargument für das Heizen mit Holzpellets ist die Unabhängigkeit vor Energieimporten. Wenn dieses Versprechen langfristig eingelöst werden soll, muss verhindert werden, dass die einheimische Pelletsproduktion unter die Räder kommt. Eine ganz große Herausforderung orte ich zudem in der Installationsbranche: Wir gut sind die Installateure auf einen Boom vorbereitet, wenn der Peak Oil einmal überschritten ist und die Nachfrage nach alternativen Heiztechniken steigt?
Was macht proPellets.ch, um das Problem zu lösen?
Durch den Zusammenschluss über die verschiedenen Marktsegmente hinweg findet ein reger Branchendialog statt. Gerade sind wir dabei, einen Branchenkodex zu entwickeln, der Best-Practice-Richtlinien für das Verhalten von Marktakteuren vorgibt. Im Hinblick auf die angesprochenen installationsseitigen Herausforderungen suchen wir die Zusammenarbeit mit anderen Branchenverbänden, die unser Interesse an der Qualitätssicherung teilen. Die dahingehenden Aktivitäten zielen auf den Aufbau von Weiterbildungsangeboten ab.
Ergibt sich für den nationalen Pelletsmarkt eine besondere Situation in Europa zum Beispiel bezüglich gesetzlicher Emissionsvorschriften dadurch, dass die Schweiz nicht Teil der EU ist oder spielt das keine Rolle?
Wir stellen fest, dass die Schweiz ihren rechtlichen Gestaltungsfreiraum nicht ohne Absprache mit ihren Partnern im restlichen Europa ausnützt, so dass von man besser von einer Nivellierung denn von Alleingängen sprechen kann.
Für wie bedeutend halten sie die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Pelletsverbänden und warum?
Gerade für einen Schweizer Verband ist diese länderübergreifende Zusammenarbeit sehr wichtig. proPellets.ch ist Gründungsmitglied des European Pelletcouncils und bestens vernetzt mit den Partnerverbänden in den anderen europäischen Ländern. Von dieser Zusammenarbeit profitieren wir nach meiner Einschätzung sogar überproportional.
Weitere Informationen: www.propellets.ch