Der Oberösterreichische Energiesparverband berät Gemeinden, Privathaushalte und Unternehmen beim Umstieg auf erneuerbare Energien. Von im vergangenen Jahr in Paris verkündeten Klimaschutzabkommen erhofft sich die stellvertretende Geschäftsführerin Christiane Egger neue Impulse für die Pelletsbranche. Im Gespräch mit Pelletshome.com erklärt sie, worauf es dabei ankommt.
Frau Egger, wie bewerten Sie die Ergebnisse des Klimavertrags in Paris?
Grundsätzlich bewerte ich sie positiv. Sie geben einen Impuls in Richtung Umstellung unseres Energiesystems und in Richtung erneuerbare Energie und Energieeffizienz.
Welche Chancen können sich speziell für die Pelletsbranche aus dem Abkommen ergeben?
Die Chance auf einen frischen Wind, um mit einem neuen Schwung das Thema in die europäischen Länder zu bekommen. Ich erwarte mir Impulse vor allem auf Länderebene Ebene, weil die Erreichung der Klimaziele primär im nationalen Rahmen angesiedelt ist. Die Politiker werden aufgrund des Abkommens jetzt nicht auf die Pelletsbranche zugehen und fragen, was könnt ihr für einen Beitrag leisten, sondern es muss umgekehrt geschehen.
In einem Beitrag für das US-Biomasse Magazin bezeichnen Sie die politischen Entscheidungen als Chance für die Pelletsbranche, wenn sie sich strategisch richtig positioniert. Welche Strategie halten Sie für erfolgversprechend?
Derzeit haben Pellets als erneuerbare Energieträger eine relativ geringe Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Wahrnehmung der Entscheidungsträger. So schwierig es für einen kleinen Sektor wie die Pelletsindustrie ist, desto wichtiger ist es, bei den Entscheidungsträgern und soweit das natürlich möglich ist in der Öffentlichkeit präsent zu sein und klarzumachen, wir haben einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende zu leisten – und das nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern auch weil wir einen zumeist heimischen Energieträger mit europäischer Technologie darstellen.
Wie ließe sich diese Strategie länderübergreifend in der Branche umsetzen?
Ein wichtiger Ort in Europa ist dafür natürlich Brüssel. Dort gibt es viele Entscheidungsträger, die zu erreichen sind und denen man klar erklären muss, worum es sich bei Pellets handelt, was sie leisten können und welche Rolle sie im Konzert der Erneuerbaren spielen. Ich glaube, es ist wichtig darzustellen, dass es eine ganz große Stärke der Pellets ist, im Energiesystem andere Funktionalitäten als die Solarenergie, die Wasserkraft oder die Windenergie erfüllen zu können. Einerseits sind sie als natürlicher Energieträger dauerhaft verfügbar, andererseits eigenen sie sich speziell für den Raumwärmemarkt.
Es ist das eine, Politiker darauf hinzuweisen, was für eine Rolle Pellets spielen können, das andere entsprechende Forderungen an sie zu stellen, um die Pelletsheiztechnik voranzubringen.
Ich halte es für sinnvoller, zu zeigen, was man kann. Das ist meiner Meinung nach ein besserer Weg als zu fordern. Wenn es gelingt, im Konzert der Erneuerbaren auf der europäischen, der nationalen oder auch auf der lokalen Ebene wahrgenommen zu werden, dann ist viel erreicht. Es existieren ja zahlreiche Initiativen und Programme für die Pelletsheiztechnik. Zumindest in Deutschland und in Österreich kann man sich nicht über die Förderlage beschweren. Das ist in anderen Mitgliedsstaaten zum Teil anders. Ich würde nicht mehr Förderung fordern. Zumindest in Österreich sind Pellets aber schon positiver in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Da wirken andere Technologien im Moment moderner.
Woran liegt das?
Bei uns in Österreich waren die Diskussionen vergangenen zwei, drei Jahre extrem von der Photovoltaik dominiert, weil wir bei der Solarstromerzeugung einen sehr großen Nachholbedarf aufzuweisen hatten. Die vergangenen drei warmen Winter haben sicher auch dazu beigetragen, dass Pellets etwas aus dem Fokus geraten sind.
Erwächst den Pelletsheizungen mit der Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe eine neue Konkurrenz? Und wie stark muss sie diese fürchten?
Das wird der Markt zeigen. Ohne Zweifel ist es notwendig, den Innovationen anderer Energietechnologien mit eigenen Innovationen zu antworten. Die stromerzeugende Pelletsheizung, wie sie inzwischen mehrere oberösterreichische Kesselhersteller anbieten, stellen einen sehr erfolgsversprechenden Weg dar. Auch die Kleinstkessel für Niedrigstenergiehäuser, die mit ihrem sehr geringen Platzbedarf dem von Wärmepumpe nahe kommen, sind ein interessanter Ansatz.
Bei der Europäische Pelletskonferenz, die der Oberösterreichische Energiesparverband alljährlich in Wels organisiert, haben Sie in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf neue Geschäftsmodelle gelegt. Warum?
Ein Thema, das für uns heuer wichtig war, war die Frage, wie die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zum Kunden so organisiert sein kann, dass sie möglichst effizient und für den Kunden bequem funktioniert. Ebenso die Frage, wie sich Unternehmen der Pelletsbranche in der Wertschöpfungskette nach oben und unten vertiefen oder verbreitern können, um umfassendere Angebote machen zu können, mit denen sich auch schwierige Zeiten überstehen lassen.