Astrid Kiendler-Scharr: “Wir messen die Luftverschmutzung vom Zeppelin aus”

Freitag, 08. Mai 2020 | Autor: Joachim Berner

Astrid Kiendler-Scharr Astrid Kiendler-Scharr Wie sich der Corona-Shutdown auf die Luftqualität im Rheinland auswirkt, untersucht ein Jülicher Forschungsteam um Professorin Astrid Kiendler-Scharr mithilfe einer außergewöhnlichen Messkampagne. Vom Zeppelin NT aus messen sie Spurengase und Feinstaub. Im Interview erklärt die Direktorin des Instituts für Troposphärenforschung die Ziele des Vorhabens.

Frau Kiendler-Scharr, im vergangenen Jahr haben Sie und ihr Team bereits Passagierflüge mit dem Zeppelin für Messungen über dem Rheinland genutzt. Warum setzen Sie den Zeppelin für solche Messungen ein?
Der Zeppelin fliegt in einer Reisehöhe von wenigen hundert Metern über dem Grund. Diese Schicht der Atmosphäre ist für Fragen der Luftqualität insofern von besonderer Bedeutung, als ein Großteil der Emissionen am Boden stattfindet und luftchemisch umgesetzt wird. Direkte Beobachtungsdaten sind in dieser Schicht aber selten beziehungsweise auf lokale Messstellen begrenzt, zum Beispiel auf Messtürme. Der Zeppelin bietet durch seine Flugeigenschaften ideale Voraussetzungen, um ungestörte Luftproben zu analysieren. Passagierflüge für Messungen zu nutzen, wie wir das im Projekt IAGOS machen, hat natürlich den zusätzlichen Vorteil, dass wir eine größere Anzahl von Beobachtungen machen können.

Was sind die Ziele der neuen Kampagne?
In der jetzigen Kampagne wollen wir untersuchen, wie sich der aktuelle Shutdown auf die Zusammensetzung der Luft auswirkt. Insbesondere verkehrsbedingte Emissionen sowie Emissionen aus dem Industrie- und Energiesektor sind in den vergangenen Wochen gesunkent. Die aktuelle Lage bietet also die Möglichkeit, unter Realbedingungen Modelle zu testen, wie Luftschadstoffe konkret reduziert werden könnten.

Zeppelin NT Zeppelin NT Wie wirken sich die gegenwärtigen Veränderungen auf den Klimawandel aus?
Die Auswirkungen auf den Klimawandel werden sicher davon abhängen, wie lange die verringerten Emissionen anhalten. Für das Treibhausgas Kohlendioxid ist eine anhaltende Reduktion notwendig, um zur Erreichung der Klimaziele beitragen zu können. Auch für andere Klimaschadstoffe wie die kurzlebigen Treibhausgase und Aerosole wird ein positiver Effekt auf das Klima nur dann entstehen, wenn die Reduktionen langfristig anhaltend sind. Die internationale Dimension der Reduktion und auch die schon bisher vergleichsweise lange Dauer bieten in jedem Fall einmalige Beobachtungsmöglichkeiten, um bestehende Wissenslücken zu schließen.

Das Interview hat das Forschungszentrums Jülich zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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