Gründe für die Preisexplosion bei Holzpellets

Donnerstag, 21. Juli 2022 | Autor: Joachim Berner

Steigende Energiepreise verteuern Produktion Steigende Energiepreise verteuern Produktion Ob in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – die Preise für Holzpellets gehen durch die Decke. Gegenüber dem Vorjahr haben sie sich inzwischen annähernd verdoppelt. Warum das so ist und wie das Weltgeschehen die nationale Pelletsproduktion beeinflusst, erläutert Pelletshome.com.

Höhere Rohstoff- und Produktionskosten

Viele Menschen verstehen nicht, warum auch Holz von der Unruhe an den Energiemärkten betroffen ist. Schließlich handelt es sich um einen heimischen Rohstoff, der in heimischen Produktionswerken verarbeitet wird. Zwar besteht kein kein direkter Zusammenhang zwischen den Kosten für fossile Energieträger und Pellets. Indirekt verteuern die steigenden Strom- und Spritkosten jedoch Herstellung und Transport der Holzpresslinge. Nach Recherchen des österreichischen Branchenverbands proPellets Austria sind alleine die Produktionskosten für Holzpellets um rund 40 Prozent gestiegen.

So verbraucht das Mahlen und Verpressen der Holzreste viel Energie. Allein die höheren Strompreise seit Dezember 2021 verteuern die Tonne laut dem Pelletshersteller Westerwälder um rund 30 Euro. Hinzu komme, dass sich der Preis für den Rohstoff Holz gegenüber dem vergangenen Jahr verdreifacht habe. Das liege an der abgeflauten Baukonjunktur, weshalb weniger Bauholz eingeschnitten werde. Dadurch lande weniger Sägerestholz auf dem Markt, was die Rohstoffpreise ansteigen lasse.

Und schließlich kosten auch Diesel und Schmierstoffe wesentlich mehr als im vergangenen Jahr. Um seine Produktion sicherzustellen, erhöht beispielsweise Westerwälder deutlich die Bevorratung von Roh-, Verschleiß- und Ersatzteilen, was aber mit einem erheblichem finanziellen Aufwand und Kapitalbindung verbunden ist.

Fehlende Importe aus Osteuropa

Der Ukrainekrieg wirkt sich aber auch direkt auf die Situation der Pelletsmärkte in Mitteleuropa aus. Denn seit dem Krieg darf Russland keine Pellets mehr exportieren. Auch aus Belarus und der Ukraine kommt kein Brennstoff mehr nach Europa. proPellets Austria schreibt von einem Ausfall von insgesamt 3,2 Millionen Tonnen, so viel wie die Hersteller in Deutschland im vergangenen Jahr produziert haben. Zum Vergleich: Die Produzenten in Österreich haben im Jahr 1,6 Millionen Tonnen gepresst, die Produzenten in der Schweiz  325.000 Tonnen.

Die Pellets aus Osteuropa wurden zwar nicht in privaten Feuerungen verheizt, dafür aber in Kraftwerken beispielsweise in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden verstromt. Infolge der fehlenden Importe konkurrieren die Kraftwerke nun mit der Wärmewirtschaft um die heimischen Pellets, was den Preise nach oben treibt und das Angebot verknappt. Dem Schweizer Branchenverband proPellet.ch zufolge fehlen auf dem Weltmarkt rund zehn Prozent Pellets wegen des Ukrainekriegs. Laut proPellets Austria verbrauchen die europäischen Kraftwerke 37 Prozent der global produzierten Holzpelletsmenge von 45 Millionen Tonnen, genauso viel wie der aktuelle Bedarf zur Wärmeerzeugung in Europa.

Sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Pelletsheizungen

Die hohen Energiepreise haben proPellets Austria zufolge bereits im vergangenen Jahr dazu beigetragen, dass immer mehr Haushalte in Europa – vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich – auf Pelletsheizungen umgestiegen sind. So stieg der Pelletskesselabsatz in Deutschland um 40 Prozent, in der Schweiz um 45 Prozent und in Österreich sogar um 51 Prozent.

Mehr Kessel benötigen mehr Brennstoff: Der Boom hat einen Mehrbedarf von 1,8 Millionen Tonnen ergeben, teilt proPellets Austria mit. Für 2022 sei, auch als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine, eine weitere Beschleunigung der Umstellung von Öl und Gas auf Pellets zu beobachten, was zu einem neuerlichen Mehrbedarf von rund 2,5 Millionen Tonnen führen werde.

Angesichts der Situation ist es kein Wunder, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert sind und versuchen, vorsichtshalber noch Pellets zu bestellen – auch wenn sie noch gar keine benötigen. Der Drang zur Bevorratung lässt die insgesamt hohe Nachfrage zusätzlich steigen. Der Deutsche Energie- und Pellet-Verband (DEPV) rät deshalb allen, die nicht dringend neuen Brennstoff benötigen, diese Entwicklung nicht durch unnötige Bestellungen weiter anzuheizen.

Produktion muss steigen – und tut es auch

Eine hohen Nachfrage lässt sich nur mit einer steigenden Produktion begegnen. Daran arbeitet die Pelletsbranche. In Deutschland stellen 45 ENplus-zertifizierte Produzenten an über 50 Standorten Holzpellets her. Mit 1,76 Millionen Tonnen haben sie in diesem ersten halben Jahr mehr produziert als jemals zuvor im gleichen Zeitpunkt. Ihre Jahresproduktionskapazität wird in diesem Jahr von  3,6 auf knapp vier Millionen Tonnen steigen, prognostiziert der DEPV.

Auch in Österreich investiert die Branche hunderte Millionen Euro. Laut proPellets Austria werden in den nächsten zwei Jahren elf neue Pelletierwerke im Land eröffnet, neun davon noch in diesem Jahr. Fünf neue oder erweiterte Werke entstehen in Niederösterreich, zwei jeweils in Oberösterreich und der Steiermark und jeweils ein neues Werk in Kärnten und Tirol. Bislang produzieren die Hersteller an 40 Standorten.

Es wird also auch in Zukunft genügend Brennstoff vorhanden sein. Darin sind sich die Verbände einig. Wann die Preise wieder sinken, dazu wagen sie keine Prognose. Was ihnen bleibt ist darauf hinzuweisen, dass Pellets weiterhin deutlich weniger als Gas und Öl kosten. Für die meisten Kundinnen und Kunden wird das angesichts doppelt so hoher Preise ein schwacher Trost sein.

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