Martin Stock: “Anfang 2021 wollen wir grüne Wärme liefern”

12/03/2019 | : Joachim Berner

Holzhackschnitzel und Sonne ersetzen Erdgas: Bei ihrem Projekt zeozweifrei NAH.WÄRME wollen die Stadtwerke Bruchsal einen Teil der Südstadt in den kommenden Jahren mit Fernwärme aus erneuerbaren Energien versorgen. Hackschnitzel haben den Vorzug vor Pellets bekommen. Was es damit auf sich hat, erklärt Martin Stock, Projektbeauftragter für den Bereich Wärme bei den Stadtwerken Bruchsal.

Herr Stock, warum setzen die Stadtwerke bei dem Projekt auf erneuerbare Energien?
Das ist eine Vorgabe des Fördergebers. Wir haben zwischen 2013 und 2015 ein Quartierskonzept erstellt, mit dem wir uns als kommunales Klimaschutz-Modellprojekt beim Bundesumweltministerium beworben haben. Eine der Vorgaben lautete, dass erneuerbare Energien 90 Prozent der Wärme abdecken müssen.

Warum in der Südstadt?
Dort sind mit der Balthasar-Neumann-Schule und der Konrad-Adenauer-Schule zwei große Wärmeverbraucher vorhanden, außerdem viele mehrgeschossige Wohnbauten sowie Einfamilienhäuser. Das Konzept hat ergeben, dass die Fernwärme wirtschaftlich Sinn macht, wenn wir die beiden Schulen verbinden und auf dem Weg die anderen Wohnbauten mitnehmen. Eine Versorgung des gesamten Gebiets wäre wirtschaftlich nicht darstellbar.

Das Energiekonzept sieht die Installation unter anderem von zwei Holzhackschnitzelkesseln vor. Ein bereits bestehender Pelletskessel wird ebenfalls eingebunden. Warum haben Sie sich gegen die Montage weiterer neuer Pelletskessel entschieden?
Das Modellprojekt ist zustande gekommen, weil wir unter anderem die Stadt Bruchsal dafür gewinnen konnten. Die Stadt will ihren Teil zum Gelingen des Vorhabens beitragen und das Holz aus ihrem Forst liefern. Deshalb macht es keinen Sinn, noch Holzpellets zu importieren. Der bestehende Pelletskessel in der Konrad-Adenauer-Schule soll aber weiter betrieben werden.

Außerdem soll eine 1.000 Quadratmeter große Freiflächen-Solarthermieanlage installiert werden. Welchen Vorteil bringt die Solarenergie in einem Wärmenetz?
Im Sommer, wenn der Wärmebedarf recht gering ist, können wir mit der Solaranlage die Heizzentrale entlasten. Sie kann zu mindestens 80 Prozent die Warmwasserversorgung übernehmen. Es macht keinen Sinn, wenn die Kessel wegen ein paar Kilowattstunden in den sonnigen Monaten anfahren müssen. Deswegen bietet eine Solarwärmeanlage von Mai bis August/September eine optimale Ergänzung.

Wie stellt sie sich wirtschaftlich dar?
Wenn man die Investitionskosten auf den Wärmepreis herunterrechnet, dann ist die Solarenergie teurer als die Wärme aus den Hackschnitzeln. Aber die Biomasseanlagen sind im Betrieb sowie in der Instandhaltung und Wartung kostenintensiv. Die Ersparnis im Sommer gleicht das mehr oder weniger wieder aus.

Wie wollen Sie erreichen, dass sich die Gebäudeeigentümer an das Wärmenetz anschließen?
Es handelt sich überwiegend um mehrgeschossige Bauten von Wohnungsbaugesellschaften. Diese haben teilweise Heizungen, die noch nicht so alt sind. Die Stadtwerke wollen Anreize mit Bonusprogrammen und Gutschriften schaffen. Wir planen, in den ersten fünf Jahren ein Fünftel an die Fernwärme anschließen zu können und nach fünfzehn Jahren die Hälfte bis 60 Prozent. Wer seine Heizung saniert, muss außerdem das Erneuerbare-Wärme-Gesetz einhalten. Es schreibt einen Anteil erneuerbarer Energien von 15 Prozent vor. Mit unserer Fernwärme können die Wohnungsbaugesellschaften die Vorgaben mühelos erfüllen.

Die Leistung aller Wärmeerzeugungsanlagen ist auf einen bestimmten Bedarf ausgelegt. Was passiert, wenn gar nicht so viel Energie gebraucht wird, weil sich zum Beispiel manche Gebäudeeigentümer nicht anschließen wollen?
Wir haben die Anlagen so ausgelegt, dass wir die beiden Schulen plus 15 Prozent der auf dem Weg liegenden Gebäude versorgen können. Danach kann die Heizzentrale um einen weiteren Kessel erweitert werden.

Wann rechnen Sie mit der Fertigstellung des Modellprojekts?
Anfang 2021 wollen wir die grüne Wärme liefern können.

 

Daten zum Projekt zeozweifrei NAH.WÄRME der Stadtwerke Bruchsal
Anteil erneuerbarer Energien: 90 %
jährliche Einsparung Kohlendioxid: 1.639 t (ca. 92 %)
zwei Holzhackschnitzelkessel: 1.700 kW und 1.100 kW
ein bestehender Pelletskessel: 240 kW
BHKW mit Biogas: 30 kWth, 15 kWel
Gas-Spitzenlastkessel: 3.000 kW
Solarthermieanlage: 1.000 m² Kollektorfläche (entspricht 0,7 MW)
Wärmespeicher: 100 m3
Trassenlänge: 1,4 km (mit Hausübergabestationen ca. 2 km Fernwärmenetz)

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