„ENplus entwickelt sich schneller als erwartet“

Dienstag, 06. Dezember 2011 | Autor: Joachim Berner

Die Qualitätszertifizierung ENplus für Holzpellets gewinnt in Deutschland und Österreich an Bedeutung. Wie es in andern Ländern um das europäische Qualitätssiegel steht, ob es Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt und warum sich bislang keine Industriepellets damit zertifizieren lassen, erklärt Geschäftsführer Peter Rechberger vom European Pellet Council (EPC).

In Deutschland haben sich Pelletsproduzenten und Händler bereits nach ENplus zertifizieren lassen, in Österreich auch. Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus?
ENplus entwickelt sich auch im Rest Europas schneller als erwartet. Neben Deutschland und Österreich setzen auch die Pelletsverbände in Spanien und Italien ganz auf ENplus und führen die Zertifizierung mit entsprechendem Marketingaufwand ein. Auch in Großbritannien, Frankreich, Kroatien, Rumänien und Tschechien gibt es ENplus-zertifizierte Pelletsproduzenten. Wir betreuen diese Länder zurzeit direkt durch das EPC von Brüssel aus.

Peter Rechberger, European Pellet Council Warum braucht es überhaupt eine europäische Zertifizierung?
Der grenzüberschreitende Handel in Europa boomt. ENplus stellt sicher, dass jeder Kunde in Europa dieselbe hohe Qualität an Pellets erhält. Kunden sind nicht länger an lokale Standards und Zertifizierungen gebunden. Das hilft natürlich auch den Netto-Pelletsexportländern wie Deutschland und Österreich, die neue Absatzmärkte erschließen können.

Wer führt die Zertifizierung in den einzelnen Ländern durch?
Der Produzent oder Händler wendet sich an eine der auf der Internetseite des EPC gelisteten Prüfstellen, die den Audit durchführt. Den Prüfbericht sowie die Laboranalyse muss eine nationalen Zertifizierungsstelle bestätigen. Sowohl Prüf- als auch Zertifizierungsstellen erfüllen entsprechende ISO-Normen. Sind alle Dokumente in Ordnung stellt die Zertifizierungsstelle nach Zahlung der Lizenzgebühr das ENplus Zertifikat aus und der Produzent oder Händler erhält seine ID-Nummer, mit der er auch auf der Internetseite des EPC erscheint.

Wie läuft der Vorgang ab, wenn das European Pellet Council eine Lizenz für ENplus vergibt?
Der Vorgang ist prinzipiell derselbe, jedoch kann der Produzent oder Händler aus verschiedenen Zertifizierungsstellen wählen, mit denen das EPC auf europäischer Ebene kooperiert, zurzeit sind das in Deutschland die PCU Deutschland GmbH, in Österreich die ofi Technologie & Innovation GmbH und in Großbritannien die Hetas Ltd. Die Lizenzgebühr erhebt EPC.

Wie lässt sich die Qualität in Ländern ohne Pelletsvereinigung sichern?
Nur gelistete Prüfstellen dürfen ENplus Audits durchführen. Alle Auditoren verfügen über langjährige Erfahrung oder wurden durch das EPC speziell geschult. Es gibt einige positive Beispiele von Produzenten, die nach dem ersten fehlgeschlagenen Audit mit Hilfe der konstruktiven Kritik der Auditoren das interne Qualitätsmanagement  entscheidend verbessern konnten und heute mit Stolz ENplus Pellets produzieren.

Gibt es auch Interesse an ENplus in außereuropäischen Ländern?
Vor allem die Nordamerikaner zeigen Interesse. Mit Trebio konnte auch schon der erste kanadische Produzent zertifiziert werden. Weitere werden sicher 2012 folgen.

Beim 11. Industrieforum Holzpellets haben Sie die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien als wichtige Aufgabe für ENplus genannt. Wie sieht Ihre Planung dahingehend aus und was könnten solche Nachhaltigkeitskriterien beinhalten?
Schon bisher wird erhoben, ob das Ausgangsmaterial aus zertifizierten Wäldern stammt. Als ersten Schritt verpflichten wir die Produzenten ab 2012, ihre CO2- Emissionen anzugeben, die während der Pelletproduktion anfallen. Parallel arbeiten zehn europäische Pelletsverbände und die Bioenergie-Dachorganisation AEBIOM im Rahmen des EU Projektes PellCert zusammen mit führenden Stromversorgern an weiterführenden Kriterien, die eine vollständige Treibhausgasbilanz sowie Nachweise zu Biodiversität, Bodenqualität, etc. enthalten. Am 26. Januar laden wir zudem Umweltverbände und andere Interessenvertretungen zu einem Workshop in Brüssel ein, um über die vorgeschlagenen Nachhaltigkeitskriterien zu diskutieren. Außerdem könnten verpflichtende Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse demnächst europaweit eingeführt werden. Eine entsprechende Entscheidung der EU Kommission steht mit Ende des Jahres an.

Sie sagten beim Industrieforum auch, dass die Ausweitung von ENplus auf Industriepellets anstehe. Warum waren sie bislang nicht enthalten?
ENplus basiert auf der europäischen Norm EN14961-2, die jedoch nicht für Industriepellets ausgelegt ist. Für die Industrie ist eine einheitliche Qualität jedoch genauso wichtig, um zum Beispiel. Handel zwischen unterschiedlichen Kraftwerken möglich zu machen. Das PellCert-Projekt wird neben Nachhaltigkeitskriterien auch die Qualitätswünsche der Industrie in das ENplus System integrieren, sobald sich die Industrie auf entsprechende technische Spezifikationen geeinigt hat.

Inwieweit arbeiten Sie dabei mit der Initiative Wood Pellets Buyers (IWPB) europäischer Stromkonzerne zusammen?
Christian Rakos nimmt als EPC-Präsident an den Treffen dieser Initiative teil. Zudem konnten wir mit Laborelec genau jene Forschungseinrichtung als Partner für das PellCert-Projekt gewinnen, die sich innerhalb der IWPB für die Pellets- als auch Nachhaltigkeits-Spezifikationen verantwortlich zeichnet. Die gesamte Branche zieht somit an einem Strang.

Weitere Informationen: www.pelletcouncil.eu/en/pellet-quality-enplus/

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